Was stellt ihr euch vor unter "MehrWegGottesdienst"?

Hier könnt ihr drauflosschreiben. Findet ihr das Projekt interessant oder vielleicht sogar todlangweilig? Wir sind gespannt.

Citykirche

Dear Citychurchpeople,
-warum nicht "Stadtkirche", und wenn, dann ganz Amerikanisch...? -
in dem gestrigen Bericht im Schweinfurter Tagblatt bezeichnen Sie neue Formen des Gottesdienstes als "MehrWegGottesdienst".
Das Wort erinnert mich an die Mehrwegflasche, die geht aber keine neuen oder verschiedenen, sondern immer wieder dieselben Wege, von der Füllung zum Verbraucher, vom Verbraucher zur Füllung. Meinten Sie "Mehr-Wege-Gottesdienst"? Auch nicht schön, aber verständlich. Wie es auch gemeint ist, das Wort ist ein Monstrum wie "Stattbahnhof" oder "KultuPackt" und eine unnötige Anbiederung an den Zeitgeist.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christa Kolokytha

Namen und Bedeutungen

Liebe Frau Dr. Kolokytha,
vielen Dank für Ihre wichtigen Einwendungen zu den Namen "MehrWegGottesdienst" und "Citykirche". Natürlich sind diese Namen nicht einfach irgendwie aus der Luft gegriffen, sondern stehen in einem bestimmten Kontext. Citykirche ist ein fester Begriff, der in vielen Innenstädten verwendet wird. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass das Citykirche-Projekt irgendwann, wenn es sich möglicherweise in der Struktur ändert, auch einen völlig anderen Namen bekommen kann. Die Citykirche in Augsburg an St. Anna beispielsweise heißt Annapunkt, ist aber auch ein offener Treff mit Kircheneintrittsstelle. Das haben wir ja in dieser Form (noch) nicht. Mehr zum Thema "Citykirche" hatte ich schon mal auf einen ähnlichen Einwand geschrieben und möchte deshalb hier einfach darauf verweisen. Siehe hier: http://www.citykirche-schweinfurt.de/inhalt/citykirche-ist-quatsch
Auch über den Namen "MehrWegGottesdienst" haben wir uns lange Gedanken gemacht. Einige unserer Ideen finden Sie noch in dieser alten Umfrage (klick hier). Ich finde den Namen sehr schön. Zum einen, weil er in der Tat aufmerksam macht. Nicht alle finden ihn positiv, aber auch das regt ja dazu an, sich damit zu beschäftigen, so wie Sie es getan haben. Da ist dann zum einen das Bild von der Mehrwegflasche. In die kommt ja nicht jedes Mal dasselbe rein, sondern immer wieder ein frisches Getränk. So soll unser Gottesdienst sein - frische Botschaft, die aber doch noch eingerahmt ist von dem, was uns die Bibel von Gott uns Jesus erzählt. Außerdem geht sie auch nicht jedes Mal den gleichen Weg zum gleichen Verbraucher. Sie landet mit Sicherheit bei jemand ganz anderem. Sie geht überraschende, unvorhersehbare Wege.
Daneben kann man, wie Sie richtig erkannt haben, "Mehr Weg" auch anders deuten. Zum einen ganz praktisch: In unserem Gottesdienst gibt es eine Phase, in der Sie eingeladen werden, herumzugehen, Wege zurückzulegen. Zum anderen auch so: Dieser Gottesdienst möchte neue, andere Wege aufzeigen. Für den eigenen Glauben, das eigene Leben, für wichtige Sinnfragen. Unser Gottesdienst möchte "mehr" sein.
Wie Sie am Ausgang der Umfrage (mit zugegeben nicht allzu vielen Stimmen) sehen können, hat das die Mitglieder unseres Teams überzeugt. Ich hoffe, dass ich Ihnen zumindest vermitteln konnte, warum wir ausgerechnet zu diesen Bezeichnungen gekommen sind.
Noch einmal vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Vielleicht hören wir noch einmal voneinander oder sehen uns sogar morgen im MehrWegGottesdienst. Ich freue mich auf weitere Kontakte.
Mit freundlichen Grüßen
Heiko Kuschel

Namen und Bedeutungen Nachtrag

Ich möchte zu Heikos Namenserklärung noch hinzufügen, das unser neuer Gottesdienst den Untertitel *Lebensthemen neu aufbereitet* trägt, was, wie ich finde, nicht ganz unerheblich zum Verständnis beiträgt.
Der Gottesdienst soll nicht nur mehr sein, sondern auch aufzeigen, dass es nicht nur EINEN  Weg gibt Gottesdienst zu feiern. Es gibt mehrere Wege, um an ein Thema heranzugehen. Dies versuchen wir. Ebenso wie in der MehrWegPhase, der offenen Phase, in der jeder Besucher seinen eigenen Weg nehmen kann.
Für mich ist es nicht unnötig, sich auch durch die Namenswahl an den Zeitgeist anzupassen (anbiedern klingt mir hier doch zu negativ)
Kirche wird oft genug als altmodisch, verstaubt, als nicht zeitgemäß bezeichnet. Gott ist anders! Wir auch. Es gibt mehr Wege....
Vielleicht verkürzt sich der MehrWegGottesdienst ja irgendwann zu MWG und wirkt dann weniger monströs.
Ich freue mich auf viele Begegnungen auf neuen Wegen!
Birgit Kuschel

Neues und Altes

Lieber Herr Pfarrer Kuschel, vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort auf meine Überlegungen.
Natürlich haben Sie und Ihre Mitstreiter sich intensive Gedanken gemacht, und ich will keinem seine Meinung nehmen, bin eben anderer Meinung, die ich der Vielfältigkeit und Vollständigkeit halber äußere. Lutherischer Gottesdienst beinhaltet für mich die Predigt und unsere wunderbaren, ja einmaligen alten Kirchenlieder, mehr brauche ich nicht. Das Überkommene leben und weitertragen schafft Geborgenheit und Sicherheit. Das wollen Sie ja auch nicht abschaffen, aber es soll als Kern und als Band zwischen den Generationen auch immer wieder mit in den Blick gerückt werden.
Neues und Altes geht zusammen, greift ineinander und besteht nebeneinander.
Mit freundlichen Grüßen
Christa Kolokytha
 

Neues und Altes geht zusammen.

Liebe Frau Dr. Kolokytha,

ich bin auch immer sehr dankbar für kritische Rückmeldungen. Wenn alle immer nur sagen "ach wie toll, was du da machst" - dann gibt es nichts, womit man sich auseinandersetzen müsste, nichts, was einen weiterbringen würde.
Mir ist vollkommen klar, dass es Menschen wie Sie gibt, die sich im traditionellen Gottesdienst wohl fühlen. Ich gehöre übrigens auch selber dazu. Aber es gibt eben auch die, für die ein traditioneller Sonntagmorgengottesdienst weder Geborgenheit noch Sicherheit bedeutet. Für diese entwickle ich in meiner Citykirchen-Stelle neue Angebote, ohne die herkömmlichen damit herabsetzen zu wollen.