Ansprache: Schwein sein?

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Thema

Du musst ein Schwein sein?

Datum

17.11.2019

Baustein

 

Du musst ein Schwein sein!
Das lernen wir doch
von Kindesbeinen auf.
Du musst ein Schwein sein!
Lass dir nichts gefallen!
Du kommst zuerst!
Mach die anderen klein
und dich groß!
Klar, in Reli,
da lernen wir es anders.
Irgendwas von zweiter Backe.
Wir habens grade gehört.
Aber das ist doch nur 
lebensferner Unsinn.
Wer kein Schwein ist, kommt nicht weiter.
Ist ärmer.
Kriegt kein Haus, kein Auto, kein Boot.
Kommt nicht ganz hoch hinaus.
Hat nicht so viel Erfolg.
Armes Schwein.

Jesus lebte anders. Er zeigte uns, wie‘s geht.
Er hielt die andere Backe hin.
Er ging auf die Gegner zu.
Er suchte die Wahrheit, nicht die Lüge.
Er musste nicht der erste sein.
Im Gegenteil:
Er stellte sich ganz hinten an.
„Wer unter euch der erste sein will, der sei aller Diener!“

Aber wir doch nicht.
Wir pressen raus, was geht.
Das nächste Auto muss größer sein.
Der nächste Urlaub muss weiter sein.
Der Fernseher größer, das Konto dicker, die Kinder modischer gekleidet.
Es geht nicht mehr so weiter,
sagen die Wissenschaftler.
Die Erde erträgt uns nicht mehr.
Unsere Schweinereien.
Unsere Rücksichtslosigkeit.
Unsere Ausbeutung.
Es geht nicht mehr so weiter,
sagen unsere Kinder, unsere Enkel.
Wir wollen auch noch leben.
Ihr lasst uns nichts mehr übrig.
Ihr macht unsere Erde kaputt.
Immer höher, immer weiter, immer schneller, immer schweinischer.
Es geht nicht mehr.

Jesus lebte anders. Er zeigte uns, wie‘s geht.
Er zeigte uns, wie wir sein könnten.
Ohne den Wettbewerb.
Ohne die anderen zu übertrumpfen.
Das ist nicht leicht.
Es heißt erst einmal: Verzichten.
Verzichten darauf, an erster Stelle zu sein.
Verzichten aufs Recht haben.
Verzichten auf manches, was wir liebgewonnen haben.
Kleiner leben, sozusagen.
Bescheidener.
Freundlicher.
Menschen-freundlicher und umwelt-freundlicher.
Jesus lebte so. Er zeigte uns, wie‘s geht.
Er hielt die andere Backe hin.
Er war freundlich zu denen, die ihn verfolgten.
Er heilte den Soldaten, der ihn festnahm.
Er betete für die, die ihn kreuzigten.

Kann man nicht?
Kann man schon.
Ist halt nicht immer schön.
Und manchmal sogar tödlich.
Siehe Jesus.
Aber wer hat denn gesagt, dass es leicht ist,
Jesus nachzufolgen?
Wie wäre das, wenn wir alle anfangen,
jeder und jede,
freundlicher zu sein.
Ehrlicher.
Bescheidener.
Unbequemer.
Wenn wir öfter unsere Bedürfnisse
hintenanstellen
für andere.
Wenn wir verzichten würden
auf diese Jagd nach immer mehr
Wenn wir diesen Wettbewerb 
einfach nicht mehr mitmachten.

Jesus lebte anders. Er zeigte uns, wie‘s geht.
Was wäre das für eine Welt?
Freundlicher. Liebevoller. Leiser.
Sympathischer. Fröhlicher.
Und: Sauberer. Voller Zukunft.
Vielleicht werden unsere Enkel 
eines Tages zurückblicken
auf diese Zeit der Krise 
und sagen:
Sie haben es geschafft.
Sie haben die Welt verändert.
Schwein gehabt.